Wir helfen seit: 2010
Mitarbeiter*innen: 254
Bevölkerung: 242 Mio.
Erreichte Menschen 2025: 1.973.036
Unterernährungsrate: 19,9 %
Nigeria ist das bevölkerungsstärkste Land und die zweitgrößte Wirtschaftskraft Afrikas. Obwohl das Land einer der führenden Ölproduzenten Afrikas ist, leben über 40 Prozent der Menschen in extremer Armut.
Wie ist die Situation in Nigeria?
Obwohl das autoritäre Militärregime 1999 abgelöst wurde, steht die Regierung Nigerias noch immer vor großen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Die große wirtschaftliche Ungleichheit sorgt für Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Zudem hat sich die Sicherheitslage durch Terrorismus, Entführungen und organisierte Bandenkriminalität in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Über 3,5 Millionen Menschen wurden vertrieben. Viele Nigerianer*innen flüchten in die benachbarten Länder Tschad, Kamerun oder Niger. Aufgrund der dort ebenfalls prekären Bedingungen sind sie jedoch oftmals gezwungen, wieder zurückzukehren.
Was sind die zentralen humanitären Herausforderungen in Nigeria?
Hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass sich die Nahrungsmittelkrise weiter verschärfen wird. Rund 6 Millionen Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele betroffene Menschen leben in von Rebellen kontrollierten Gebieten und sind von jeglicher Unterstützung abgeschnitten. Nur die Hälfte aller Gesundheitseinrichtungen im Land sind einsatzfähig. Die Mangelernährungsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist sehr hoch: Rund 6,4 Millionen sind von schwerer akuter Mangelernährung betroffen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen.
In den nigerianischen Lagern für Geflüchtete ist die Not besonders groß: Es fehlt an Nahrungsmitteln, Lebensgrundlagen, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Zudem ist die Sicherheitslage desolat. Willkürliche Verhaftungen, Zwangsrekrutierungen, Menschenhandel, Gewalt gegenüber Frauen und sexueller Missbrauch sind in den Camps keine Seltenheiten.
Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Nigeria?
Aktion gegen den Hunger ist seit 2010 in Nigeria aktiv. Obwohl der Zugang zu einzelnen Bevölkerungsgruppen durch die unsichere Lage erheblich erschwert wird, konnten wir unsere Programme ausweiten und in sechs Regionen im Nordosten des Landes Projekte etablieren.
- Wir versorgen schwangere Frauen und Mütter mit Bargeldtransfers, um den dringenden Nahrungsmittelbedarf ihrer Familien zu decken.
- Wir behandeln schwer unterernährte Kinder und schulen Mütter darin, Anzeichen von Mangelernährung frühzeitig zu erkennen.
- Unsere Initiative „Porridge Moms“ in Borno ist eine Selbsthilfegruppe von Müttern für Mütter, welche zum Beispiel Kochherde baut und Kochkurse veranstaltet. Dadurch werden weitere Mütter darin geschult, nahrhafte Lebensmittel zuzubereiten.
- In Yobe und Borno wurden ganze Gemeinden durch die Konflikte zerstört. Um dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen, verteilen unsere Teams dort Hygiene-Sets, unterrichten in Hygiene-Fragen und richten neue Latrinen und Wasserstellen ein.
- Wir leisten psychosoziale Betreuung für Geflüchtete und Vertriebene.
- Besonders bedürftige Geflüchtetenfamilien unterstützen wir mit Bargeld oder Gutscheinen, damit sie sich auf den lokalen Märkten Lebensmittel oder dringend benötigte Waren kaufen können.
Neben Spenden finanziert sich unsere Arbeit auch durch Förderungen und Zuwendungen institutioneller Geber*innen. Der folgende Absatz informiert Sie über Projekte, die direkt durch diese Art der Unterstützung realisiert werden können. Hier informieren wir über die Herkunft all unserer Mittel.
Laufende Projekte
- Direkt erreichte Menschen: 1.400.000 (280.000 Haushalte)
- Laufzeit: Dezember 2025 – November 2026
- Mittelherkunft: Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
- Fördervolumen: 1.000.000 Euro
Das Projekt stärkt die bestehenden sozialen Sicherungssysteme in den nigerianischen Bundesstaaten Borno und Adamawa, um Armut und Hunger in besonders gefährdeten Gemeinschaften nachhaltig zu reduzieren. Im Mittelpunkt steht die gemeinschaftsbasierte Identifizierung (Community Based Targeting, CBT) von rund 280.000 vulnerablen Haushalten, die in das staatliche Sozialregister aufgenommen werden. In enger Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen, Nichtregierungsorganisationen und lokalen Gemeinschaftsstrukturen werden transparente, inklusive und datenbasierte Prozesse etabliert. Durch digitale Datenerfassung, verbesserte Feedback- und Validierungsmechanismen sowie gestärkte Monitoring- und Evaluierungssysteme wird die Qualität des Targeting in den sozialen Sicherungssystemen verbessert. Begleitende Sensibilisierungsmaßnahmen fördern die Beteiligung der Bevölkerung und stärken ihre Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme. Darüber hinaus wird der Austausch wichtiger Entscheidungsträger zu den Themen langfristige Armutsbekämpfung und humanitäre Hilfe sowie ihr diesbezügliches Engagement im Rahmen einer hochrangigen Veranstaltung gefördert.
Folgende Maßnahmen werden u.a. umgesetzt:
- Sensibilisierung, Mobilisierung und Aufbau lokaler Gemeindestrukturen zur transparenten und inklusiven Begünstigtenauswahl
- Datenerhebung mittels digitaler Tools und standardisierter Datenerfassungsprotokolle
- Erfassung von rund 280.000 vulnerablen Haushalten für das staatliche Sozialregister
- Stärkung von Validierungs- und Feedbackmechanismen auf allen Verwaltungsebenen
- Ausbau von Wissensmanagement sowie Monitoring- und Evaluierungssystemen
- Förderung von politischem Dialog und Koordination durch Unterstützung eines hochrangigen Stakeholder-Gipfels